Nachhaltiges Design aus Holz: Vom Sturmholz zum Unikat
- Kai Mohrhenn

- 16. Apr.
- 5 Min. Lesezeit
Als Nachhaltigkeitsmanager begleitet mich der Gedanke mit Rücksicht auf die Umwelt zu handeln auf Schritt und Tritt. Ob privat oder beruflich, versuche ich immer Ressourcen zu schonen, Umweltschäden zu vermeiden und im besten Fall der Natur sogar etwas Gutes zu tun. Die gleichen Grundsätze verfolge ich auch bei meiner Leidenschaft, dem Design von nachhaltigen und ästhetischen Produkten. Warum nachhaltiges Design aus Holz bei mir mit einem Sturm beginnen und welche Schritte notwendig sind, damit ihr euch am Ende daran erfreuen könnt, erfahrt ihr in diesem Blogartikel.
Herkunft der des Holzes – Die Wurzeln des nachhaltigen Designs
Wenn es draußen stürmt, die Schiefern der Fachwerkhäuser im Wind klappern und sich die Baumspitzen in den Windböen neigen, dann kann ich mir fast schon sicher sein, in den nächsten Tagen hier und da eine Kettensäge zu hören. Bäume oder Äste die vor den Naturgewalten kapituliert haben, liegen dann auf den Straßen oder in Gärten und werden in den Regel zu Brennholz verarbeitet. Dieses Holz ist mir am liebsten. Wenn die Natur selbst entscheidet, wann es Zeit für etwas neues ist. Hier heißt es schnell sein, Ohren und Augen auf und sich in der Nachbarschaft umhören. So habe ich schon den ein oder anderen Stamm Pflaumen- oder Kirschholz vor dem Kaminfeuer bewahren können.

Bevor die Natur selbst entscheidet ist es manchmal aber überaus sinnvoll, dass Bäume oder Äste durch den Menschen entfernt werden. Sei es bei abgestorbenen, kranken oder stark beschädigten Bäumen, oder wenn die Sicherheit es einfach nicht anders zulässt. So kommt es das ein großer Teil meines Holzes aus Pflegeschnitten oder Altersbedingten Baumfällungen kommt. Manchmal haben diese Hölzer ihren ganz besonderen Charme. Eine Birke zum Beispiel, die schon einige Zeit verstorben ist, wird von Pilzen durchzogen die schwarze Streifen in dem sonst so hellen Holz erzeugen. Ein Effekt den nur die Natur selbst erschaffen kann.
Wenn alle Stricke reißen, bediene ich mich am regionalen Brennholz. Aus nachhaltiger Forstwirtschaft direkt hinter dem Dorf, rette ich mit kürzestem Transportweg einfachere Hölzer wie Buche, Eiche oder Esche vor dem Kamin. Insbesondere dann, wenn ich für einen Auftrag viele Artikel mit dem selben Erscheinungsbild fertigen muss.
Unter jedem Artikel findet ihr immer Informationen zur Herkunft des Holzes.
Fällen und zusägen – Der erste Schritt zur Verwandlung
Wenn die Natur mir nicht gerade mit einem Sturm die Arbeit abgenommen hat, werden die Bäume oder Äste ganz klassisch mit Axt oder Kettensäge gefällt.
Wusstest du, dass das Öl von Kettensägen zu 100% biologisch abbaubar ist und keine Umweltschäden hinterlässt?
Gleich vor Ort wird geschaut, wie der Baum gewachsen ist. Gibt es besondere Astgabeln, Verdrehungen oder vielleicht sogar Maserknollen*? Unter Berücksichtigung der individuellen Eigenschaften wird das Holz in entsprechende Teilstücke zerteilt. Ein schöner, dicker, gerader Abschnitt eignet sich gut für das Auftrennen auf der Bandsäge zu Brettern, oder er wird der länge nach halbiert und in Stücke geschnitten aus denen später Schalen und Schüsseln entstehen. Eine knorrige Astgabel kann eine spannende Herausforderung für ein besonderes Einzelstück sein. Bei manchen Hölzern eignen sich auch dünnere Äste für kleinere Vasen und Gefäße.

Die grob zugesägten Abschnitte werden anschließend in der Werkstatt weiter zerteilt. Mithilfe einer Bandsäge entstehen Bretter, Kanteln und Bohlen. Stücke für Schalen und Schüsseln werden ebenfalls schon in eine ungefähr runde Form gebracht.
*Maserknollen sind knollenartige Auswüchse an Stämmen oder Ästen, die mit einem sehr wilden Verlauf der Fasern eine absolut einzigartige Optik erzeugen.
Schonende Lufttrocknung – Geduld ist gefragt.
Passend zugesägt werden die Hölzer an der frischen Luft und vor der Sonne geschützt langsam getrocknet. Bretter und Bohlen werden dazu an den Enden mit Wachs versiegelt, um übermäßige Rissbildung zu vermeiden. Je nach Materialstärke lagern die Stücke zwischen einem und fünf Jahren im Regal, bis sie für die endgültige Bearbeitung geeignet sind.
Um das Trocknen zu beschleunigen und den Bearbeitungsprozess zu vereinfachen werden großvolumige Objekte wie Schüsseln oder Vasen schon kurz nach dem Fällen grob in Form gebracht. Wichtig dabei ist, dass der Rohling überall eine gleichmäßige Dicke erhält. So kann eine Schüssel innerhalb weniger Monate durchntrocknen ohne zu reißen, um anschließend ihre Finale Form zu erhalten.

Drechseln – Das Holz erhält seine Form
Das Drechslerhandwerk ist eins der ältesten Gewerke der Menschheit. Seit über 3000 Jahren werden rotierende Werkstücke mit scharfen Gegenständen in Form gebracht. Wenn auch früher noch mit dem Fußpedal angetrieben, hat sich an den Grundprinzipien über die Jahrtausende nicht viel geändert.
Das hölzerne Werkstück wird entweder in einem Futter oder zwischen zwei Spitzen auf der Drechselbank eingespannt und über eine Welle mittels Motor angetrieben. Der Drechsler bringt dann mithilfe verschiedenster Drechseleisen das Holzstück langsam in Form.
Drechseln ist vielleicht nicht nur das ältestes Gewerk des Holzhandwerks sondern möglicherweise auch das befriedigendste. Was in einem Moment noch ein Ast war, wird mit wenigen Handbewegungen ein glatter, gleichmäßiger Zylinder. Lange Späne fliegen wie Luftschlangen durch die Gegend und die ganze Werkstatt wird in den Geruch von frischem Holz gehüllt. Mit geübten Griffen und scharfem Werkzeug wird die eigene Idee dann Stück für Stück Wirklichkeit. Jede noch so kleine Handbewegung spiegelt sich im Holz wieder und so trägt jedes Objekt am Ende auch eine individuelle Note.
Schleifen – Die Hände sehen mit
Damit nicht nur die Form, sondern auch die Haptik stimmt, werden alle Stücke einem langwierigen Schleifprozess unterzogen. Teilweise werden drei oder vier Durchgänge von Mittlerer Körnung bis zu einem feinen Schleifvlies benötigt, um den unterschied zwischen nett und woow! zu erzeugen. Am Ende sollen keine Riefen, Rillen oder Kratzer mehr zu spüren sein, sondern pure glatte Holzoberfläche.
Versiegeln – Schutz und Ästhetik vereint
Ein natürliches Material wie Holz verdient auch eine natürliche Behandlung. Um die Oberfläche zu schützen und die Farben anzufeuern, verwende ich bevorzugt reines schwedisches Leinöl.
Das Öl trage ich mit einem Vlies direkt auf das sich drehende Objekt auf. Man kann förmlich zusehen, wie das Holz das Öl aufsaugt, die Kontraste schärfer werden und die Maserung "zum Leben erwacht".
Je nach Objekt erhalten die Stücke zum Abschluss noch eine hauchdünne Wachspolitur, die für einen dezenten Glanz sorgt und das Holz vor stärkeren Einflüssen bewahrt. Wie z.B. bei dieser Vase aus Virginia Wachholder.
Verpacken und verschicken – Nachhaltigkeit bis zum Kunden
Besondere Einzelstücke kommen in einen schützenden Beutel aus Fairtrade Baumwolle, der sich auch prima als Geschenkverpackung eignet. ;)
Als Transportverpackung werden Zeitungspapier und Kartons recycelt. Die alternative Verwendung schont die Umwelt und Zeitung ist wirklich ein klasse Verpackungsmaterial. Mit Papier Klebeband versiegelt, ist so der gesamte Versandprozess kunststofffrei gestaltet.
Fazit – Vom Baum zum Designerstück, nachhaltig und bewusst
Jedes Stück, was meine Werkstatt verlässt ist für mich weit mehr als nur Dekoration. Es erzählt eine Geschichte von der Kraft der Natur, von geduldigem Handwerk und der Liebe zum Detail. Wenn ihr eine meiner Vasen oder Schalen in den Händen haltet, spürt ihr die Wertschätzung, die in jedem Arbeitsschritt steckt, vom ersten Blick auf den sturmgepeitschten Stamm bis zum letzten Ölschliff.
Ich möchte euch einladen, Interior und Design wieder bewusster zu konsumieren. Es geht darum, die Natur zu achten und sich mit Dingen zu umgeben, die eine Seele haben. Mit nachhaltigem Design aus Holz holt ihr euch nicht nur ein Stück Holz ins Haus, sondern ein Versprechen: Dass wir gemeinsam achtsam mit unserer Umwelt umgehen können, ohne auf Ästhetik zu verzichten.
Wenn ich dich inspiriert habe, deine Einrichtung um ein einzigartiges Stück zu erweitern, schau doch mal in meinem Shop vorbei.








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